Burning Man 2016 – Die letzten Meter und Lagerbau

Unsere Nacht war am 28.08. gegen 09:00 Uhr zu Ende – die endlose Fahrzeugkaravane ist die ganze Nacht weitergezogen – wir fragen uns wo diese Massen alle Platz finden sollen? Da nur noch ein paar Kilometer zu bewältigen sind, haben wir den Bus eher pragmatisch umgeräumt und nach einer Tasse gutem amerikanischen (d.h. ohne Anspruch an Geschmack, dafür aber gewohnt freundlich überreicht) Kaffee die Fahrt gestartet. Wie zu erwarten, lief es wieder erstaunlich ruhig und gleichmäßig bis zur Einfahrt zur Wüstenstrecke weiter. Dort wurden wir von fröhlich und wild gestikulierenden Streckenposten in die Fahrspuren eingewiesen. Was auch die lustig zappelnden Einweiser genommen hatten, um in der Vormittagssonne und im Angesicht der nicht endenden Fahrzeugschlange so happy zu sein – wir wollten das auch! Von jetzt ab wurde es – ich sag mal – laaangsam. Die 6-spurige Warteschlange war gut gefüllt und so wurde das Warten zur Geduldsprobe. Dank vollem Tank, laufender Klimaanlage und einer unübschaubaren Anzahl lustig gekleideter und durchaus nicht unattraktiv daherkommenden PersonenInnen – vergingen die Stunden bis zum Check in dann doch wie im Flug. Wir mussten unsere Tickets am Will Call Counter abholen. Okay, eine kleine Hürde mehr auf dem Weg zur BM. Der freundliche Ticketverkäufer vom Counter 7 war englisch-sprachlich das Kind einer plattdeutschen Mutter und eines oberbayrischen Vaters, dass in Berlin aufgewachsen ist und sich sonst sein Geld als Jahrmarkt-Wurstverkäufer verdient. Ich denke im Schnellsprechwettbewerb war der Mann ganz vorn dabei! Da ich wusste was ich wollte, ignorierte ich zunächst den Endloswortbrei und reichte meine Driver Lizenz und die ausgedruckte Online-Bestellung rüber. Damit konnte er etwas anfangen. Juhu, er schnappte sich einen Fahrzeugpaß für das Gelände, piep, eingscannt, na das läuft doch reibungslos, ein Besucher-Ticket geschnappt, vor den Scanner gehalten – nix, er hat es noch zweimal probiert, nix, das nächste Ticket genommen, wobei Ihm das erste Ticket entglitt, piep, eingescannt – Top! Dann hantierte er rasend schnell mit verschiedenen Tickets vor dem Scanner herum – ohne Erfolg (hier kam mir der Verdacht, das er eine Zeit lang als Kartengeber am Black Jack Tisch im Casino gearbeitet haben muss – ich konnte den Handbewegungen nicht mehr folgen). Dann fragte er mich etwas, keine Ahnung was, ich fragte nach, daraufhin erhöhte er die Lautstärke und im gleichen Maße die Geschwindigkeit – so wurde das nichts. Ich sagte einfach mal “Okay”. Ha, geht doch! Ich bekam die Tickets und Infomaterial. Leider haben wir die Tickets nicht gleich gezählt – wir hatten nur ein Personen-Ticket und einen Fahrzeugpaß. Ich mach es mal kurz – wir haben dadurch mehr Leute bei der Einlasskontrolle kennengelernt als sonst irgend ein Burner. 😉 Zum Schluss hatte jeder von uns ein Ticket und weiter ging es zum Inner Circle Einlass. So einfach kommt man hier nicht rein – Tickets zeigen, kurze Nachfrage ob das unsere erste BM ist – Ja, wir schauen ja auch wie First-Burner aus. 🙂 Große Freude bei den beiden männlichen Empfangsdamen – wir mussten uns vor Ihnen im Staub wälzen und danach eine Glocke schlagen und dazu rufen:”I’m not longer a virgin!”. Ab jetzt durften wir recht frei agieren und suchten uns, nach der Empfehlung unseres Gastgebers in San Francisco, einen Stellplatz auf ca. 04:00 Uhr im Burner Lager. Das runde Lager ist in Uhrzeiten eingeteilt, was Orientierung (in jedem Zustand und zu jeder Tageszeit und Staubdichte) deutlich erleichtert. Unseren Stellplatz haben wir letztendlich nach der Windrichtung gesucht – was sich als sehr nützlich bzgl. des Staubkonsums erwies. Wir bekommen hier fast staubfreien Wind aus der Wüste, während die Bewohner im Inneren und auf 06:00 – 10:00 Uhr sämtlichen aufgewirbelten Staub genießen dürfen. Jeder Fahrrad-Fahrer, jedes Art-Car und jeder Fußgänger hinterlassen eine Staubfahne. Wir haben unser Lager soweit es geht eingerichtet – Fahrräder, Stühle und Tisch raus, alle Getränke unters Auto und arzuf der Ostseite ein Sonnensegel, welches dem Wind nur etwa einen Tag standhielt und danach als Sonnenschutz vor den Fenstern hing. Fertig! Um die mitgebrachten Lebensmittel, zu kühlen braucht es Eis. Das wird hier im Lager auf 03:00, 06:00 und auf 09:00 Uhr für einen schmalen Taler verkauft. Eigentlich. Am Sonntag hatten nur der Verkauf auf 06:00 Uhr offen und der wurde 30 Minuten vor Verkaufsende geschlossen. 🙁 Die beiden anderen Stände schauten uns verwirrt an, die haben dann durch uns erfahren, das sie offen haben sollten. Nichts ist perferkt. 😉 Also verhalten wir uns wie gute Amerikaner und lassen den Motor und die Klimaanlage bis zum nächsten Morgen laufen. 😐