Burning Man 2016 – Eingewöhnung

Dienstag – Mein Begleiter hat sich heute frei genommen und genießt die kühle Ruhe in unserem Bus. Nach meinem üblichen Frühstück und Eiskauf, von dem ich dieses Mal auf Grund der geringen Menge nichts unterwegs eingetauscht hatte, bereitete, ich aus einer Eingebung heraus, einige unserer Pilz-Käse-Knacker mit Schinken, Salami und zum Schluss reichlich Käse in Butter geschwenkt zu. Mit einem Brötchen als Fettschwamm hatte ich eine hervorragende Grundlage um die schon am frühen Morgen angebotenen Cocktails zu probieren. Promt rief der nur 50 Meter entfernte Stand zur frischen Bloody Mary. Sehr interessant – wobei die Knoblauchzehe jetzt unterm Auto liegt. Ich war dankbar für mein deftiges Frühstück! Danach bin ich nicht sehr zielstrebig, es gibt überall etwas zu sehen und auszuprobieren, zum zentral gelegen BRC Center (BRC = Black Rock City) geradelt. Dort kann man sich Tee & Kaffee kaufen, was neben dem Eiskauf und dem Bustransfer in die nächsten beiden Dörfchen, die einzige Möglichkeit zum Geld ausgeben ist. Der Rest ist kostenfrei bzw. beruht auf der Idee, den MitBurner zu beschenken. In dem Center geht es total entspannt und meist ruhig zu. Auf zwei gegenüberliegenden Bühnen sind Vorträge, Musiker, Workshops und Diskussionen zu erleben. Von andächtiger Aufmerksamkeit bis zur aufgeregten Teilnahme, ist hier alles zu erleben. Zwischen den beiden Bühnen sind Ausstellungen von verschiedensten Künstlern zu sehen. In der Mitte des großen Center befindet sich eine runde Freifläche, die von rege genutzen Liegekissen umsäumt ist. Das ganze vermittelt ein wenig Zirkus Charakter ala Cirque du Soleil. Wer mag, kann hier seine Kunststücke vorführen oder sich mit Unterstützung selbst an solchigen ausprobieren. Dem FKK Unerprobten Menschen mag das hier, wie im ganzen Camp, gelebte Nebeneinander von mehr (selten) oder weniger (häufig) oder garnicht (selten) bekleideten Burnern am Anfang befremdlich vorkommen, da es aber überhaupt keinen Menschen (sichtbar) irriert, kehrt jeder recht schnell zum “Tagesgeschäft” zurück. In dem Center lässt sich also trefflich abhängen. Irgendwann war ich dann so abgehangen, das es mich raus auf die Playa trieb. Die Playa ist ein riesiger Platz zum Herumradeln und um mobile, fest installierte und begehbare Kunstwerke zu erkunden. Unter anderem steht dort auch der Burning Man – dieses Jahr im Zeichen von Leonardo da Vinci. Als weitere Feueropfer sind dann u.a. noch der Tempel und die Pyramiden zu sehen und zu begehen. All diese aufwendigen Holzbauten werden ein Opfer der Flammen. Irgendwie Schade, aber so geht das eben hier. Also am Besten anschauen bevor es weg ist. Ein Teil der Playa ist am Rand von verschiedenen Ständen, mit zum Teil sehr unterschiedlichen Musikrichtungen, umgeben. Hier findet fast jeder seine Mucke. Ich bin im Technobereich gelandet und hab lange nicht so gute Musik und so ausgelassene Leute erlebt. Die Beschallungsmaschinen sind heftig – tagsüber war ich nichtsahnend an den übermannshohen Boxen vorbeigeradelt und es hätte mich fast aus dem Sattel geblasen.